Ausbildung zum Care Giver und Peer

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WAS IST EIN CARE GIVER UND EIN PEER?

Ein Care Giver oder Peer hilft betroffenen Personen nach einem einschneidenden Ereignis über die erste Zeit hinweg. Er oder sie kümmert sich um Menschen, die potentiell Traumatisierendes erlebt haben und sich danach jemandem anvertrauen wollen oder niederschwellige Hilfe wünschen. Care Givers und Peers arbeiten in der Regel in einem Team für eine Firma oder Institution.

“Care Giver” und “Peer” sind keine Berufe. Diese Personen sind Ersthelfende und leisten psychosoziale Unterstützung im Rahmen eines Auftrages. Peers stehen dabei ihren BerufskollegenInnen zur Verfügung. Sie arbeiten normalerweise in Blaulicht- und Rettungsorganisationen wie z. B. Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst. Care Givers schliessen sich einem Care Team an. Dies kann von der öffentlichen Hand organisiert sein. Es bestehen jedoch auch Care Teams in grösseren Firmen und Unternehmen. Sie arbeiten oft mit einer Betriebssanität zusammen oder sind dem Gesundheitsmanagement angegliedert.

AUSBILDUNG

Die Ausbildung zum Care Giver oder Peer besteht aus einem Grundmodul (3 Tage) und einem Aufbaumodul (2 Tage). Das Grundmodul besuchen angehende Care Givers und Peers gemeinsam. Das Aufbaumodul ist fachspezifisch aufgebaut und wird getrennt geführt. Der Besuch des Grundmoduls ist Voraussetzung für die Zulassung zum Aufbaumodul. Nach Abschluss der Ausbildung wird eine Teilnahmebestätigung abgegeben.

Als Ausbildungsinstitution sind wir vom Nationalen Netzwerk Psychologische Nothilfe (NNPN) zertifiziert.

ZIELGRUPPE

  • Angehörige bzw. designierte Angehörige von Care Teams oder Peer-Organisationen

  • Angehörige von Blaulichtorganisationen (Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr, Milizfeuerwehr), Zivilschutz sowie Risikoberufsgruppen

  • Personen, die sich aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit mehr Kompetenzen in psychologischer Nothilfe wünschen. Z. B. PsychologInnen, medizinisches Personal, SozialpädagogInnen, Pflegepersonal, Sozialarbeitende.

Was muss ein zukünftiger Care Giver oder Peer mitbringen

Personen, die eine traumatische Situation erlebt haben, benötigen in der ersten Zeit eine Bezugsperson, die sie uneingeschränkt unterstützt und für sie da ist. Care Givers und Peers hören deshalb primär zu und haben eine unvoreingenommene Haltung. Sie werten die Handlungen der betroffenen Personen nicht, auch wenn faktisch eine Schuld bestehen sollte oder gegen gängige Normen verstossen wurde. Die eigene Meinung eines Care Givers oder Peers steht selten im Vordergrund.

Care Givers und Peers bringen Offenheit und Empathie für verschiedene Menschen und Haltungen mit und begegnen ihrem Gegenüber mit Respekt und Anstand. Wo nötig, bieten sie einen psychischen Schutzraum, damit die betroffene Person ihre Gefühle verbalisieren und ihre Gedanken ungefiltert mitteilen darf. Helfende Personen verfügen deshalb über genügend Resilienz und kennen sich und ihre Reaktionen gut. Sie müssen deshalb vor einem Einsatz genau abklären, ob sie in der Lage sind, diesen auszuführen.

Helfende Personen sollten nicht der Organisation oder der Sache verpflichtet sein, sondern in der Regel der betroffenen Person. Verschwiegenheit gegenüber Dritten ist deshalb unerlässlich. Care Givers und Peers agieren nicht im Rampenlicht, stehen nicht in der Öffentlichkeit. Sie drängen sich nicht auf, sondern unterstützen da, wo sie gewünscht werden und so lange, wie sie benötigt werden. Die Kontrolle und Entscheidung darüber liegt in der Regel bei der betroffenen Person. Dies gilt es zu akzeptieren.

Care Givers arbeiten mit betroffenen Erwachsenen, Kinder und Jugendlichen. Je nach Einsatz kann der Fokus auf einer anderen Gruppe, Ethnie, Altersklasse oder Problemstellung liegen. Dies erfordert viel Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Seiten der helfenden Person. Je nach Auftrag ist es auch möglich, dass Care Givers in einem Team arbeiten müssen, da verschiedene Personen zeitgleich betreut werden. Im Aufbaumodul für Care Giver wird diesem Aspekt Rechnung getragen.

Peers unterstützen immer Mitarbeitende der gleichen Institution in der sie selber arbeiten. Peer (engl.) lässt sich als Kollege/in oder Gleichgestellte/r übersetzen. Peers kennen demnach die Arbeit und die Bedingungen der betroffenen Person, die sie unterstützen. Der Kontakt ist so oft niederschwellig und die Rahmenbedingungen des Umfeldes sind klar. Im Gegenzug ist die Peer-Unterstützung auch delikat, da man der betroffenen Person unter Umständen tagtäglich wieder begegnen kann. Diese spezifischen Besonderheiten werden im Aufbaumodul Peer thematisiert.

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Man hat nie ausgelernt…

Neben der Ausbildung zum Peer oder Care Giver bieten wir praxisnahe Weiterbildungen an und unterstützen die Helfenden vor und nach einem Einsatz.

Weil aber Notfälle nicht regelmässig vorkommen, führen wir jährliche Auffrischungskurse (Refresher) durch. Dort bringen wir die Teilnehmenden auf den neusten Stand, üben verschiedene Situationen und fassen das bereits Gelernte kurz und praxisrelevant zusammen. Daneben besteht viel Zeit zum Austausch (best-practice) und Fragen.

Wer mehr wissen will und sich in einem spezifischen Gebiet vertiefen möchte, besucht die Weiterbildungen für Peers und Care-Givers zu wechselnden Themen wie z. B. Suizidalität, Umgang mit Schuld und Scham, Trauer usw.

Nach belastenden Einsätzen stehen wir auch für Fall- und Nachbesprechungen oder individuelle Coachings zur Verfügung.